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Körperliche und psychische Blockaden
Im Verständnis des Arztes, Psychotherapeuten und Naturforschers Wilhelm Reich (1897-1957) sind unsere Lebenserfahrungen nicht nur unserem Gedächtnis, sondern auch unserem Körper eingeschrieben. Wir verkörpern unsere Erfahrungen und begegnen so unserer Umwelt.
Ein Baby, das mit seinem natürlichen Ausdruck bei der Empfindung von Schmerz und Lust im Zusammenhang mit seinen Grundbedürfnissen nach Sättigung, Wärme und liebevoller Geborgenheit von seinen Eltern oder Bezugspersonen angenommen ist, erlebt sich mit seinen elementaren Bedürfnissen als willkommen. Es erfährt grundsätzlich, dass schmerzhafte Gefühle zwar auftauchen, dass sie aber auch wieder vergehen. Es kann fühlen, dass das, was für es selbst wichtig ist, auch für jemand anderen wichtig ist.
Im Gegensatz dazu muss ein Kind, dem die Erfüllung seiner angemessen Wünsche verwehrt bleibt, schon früh lernen, mit seinem körperlichen und emotionalen Unbehagen oder gar seiner Not allein fertig zu werden. Es wird irgendwann aufhören nach dem zu schreien, was es dringend braucht. Stattdessen lernt es, seinen Körper bei gleichzeitiger Reduzierung der Atemtiefe in festen Muskelhaltungen anzuspannen, um die schmerzhafte Empfindung, mit der eigenen Lebendigkeit unerwünscht zu sein, nicht so deutlich fühlen zu müssen. Als Erwachsener ist ihm der Zugang zu den sinnlichen Fähigkeiten seines Körpers nur eingeschränkt bewusst.
Durch die kontinuierliche Wiederholung dieser Körperreaktionen vermeidet das Kind nach und nach die volle Intensität seiner Gefühle im Allgemeinen. Denn die Sprachentwicklung und die Entwicklung der anderen intellektuellen Fähigkeiten, die eine differenziertere Selbstwahrnehmung ermöglichen, finden erst bedeutend später statt.
Dieses Kind erfährt auf der Beziehungsebene, dass sein Schmerz und seine Lust für einen anderen Menschen nicht von grosser Bedeutung sind. Es entwickelt die defensive Charakterstruktur eines Menschen, der seine Gefühle ausklammert. Die Fähigkeit im Erwachsenenalter fühlend, direkt und unverstellt zu anderen Menschen in Beziehung zu gehen, ist dann oft chronisch gestört.
Dieses Abgetrenntsein und sich Abtrennen von sich selbst und von seiner Umwelt wird als schmerzhaftes Gefühl von Handlungsunfähigkeit, als ein andauerndes Zweifeln und Denken in den Kategorien falsch und richtig und letztlich als tiefe Einsamkeit erlebt.
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