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Angst
Angst (angustia lat., die Enge) ist ein Zustand von emotionaler Intensität, eine körperlich hoch geladene Aufregung im Jetzt, angesichts von aktuellen Herausforderungen, die gleichzeitig alte Beziehungsmuster berühren, in denen wir als Kinder beispielsweise Feindseligkeit, Frustration und Unvermögen erlebt haben. Damals wurde die Angst durch intensive und oft wiederholte soziale Interaktionen über lange Zeiträume mit primärbezogenen Personen wie Eltern, Geschwistern etc. ausgelöst und im Körper und damit auch im Charakter etabliert. (Gemeint ist hier nicht die biologische Angst, angesichts von beispielsweise realer Lebensbedrohung durch Krankheit, Unfall, Gewalt!)
Angstreaktionen wirken im Körper als muskuläre Kontraktion, flaches Atmen, Veränderung im Stoffwechsel, emotionale Selbstimmunisierung gegen schwierige Gefühle usw.. In der Kindheit hatten diese Reaktionen die Funktion des Schutzes vor überwältigenden Erlebnissen von Feindseligkeit, Abgelehntsein, Liebesentzug und Verhinderung der natürlichen Lebendigkeit, die anders nicht verarbeitet werden konnten. Angesichts der insbesondere bei sehr kleinen Kindern vollständigen Abhängigkeit und grossen Offenheit für Einflüsse, sind diese Schutzmechanismen zunächst sinnvoll bis lebensrettend gewesen.
So haben wir gelernt, Angst und ihre Begleiterscheinungen als Entscheidungsmöglichkeit zu sehen, um das Jetzt und die vollständige Beziehung zu dem, was schmerzhaft ist, zu vermeiden. Das kann aktuell als Muster wieder aufleben, wenn heute vergleichbare Reize aus der sozialen Umwelt auftauchen. So, dass wir in Resonanz auf das Gelernte an diesen Stellen wie gewohnt, aber unnötigerweise wiederholen, was früher eben durchaus sinnvoll war.
Diese Angstkonditionierung verzerrt immer wieder unsere Wahrnehmung. Wo abhängige Kinder ohnmächtig ausgeliefert sind, haben Erwachsene aber eigentlich ganz andere Wahlmöglichkeiten in sozialen Interaktionen. Diese reichen von freier Wahl des Kommunikationsabbruches bis zu vollständigem, sich liebend Einlassen, mit all den Zwischentönen, zu denen wir in Beziehungen fähig sind!
Es geht immer wieder um die Entscheidung, verliere ich mich in schwierigen Situationen in meinen Mustern, oder erprobe ich neue und angemessene Verhaltensweisen, die dann auch in meine Erlebenswelt hineinwirken und mich mit dem Jetzt in Resonanz bringen.
Unerlässliche Voraussetzung für das (Wieder-) Erlernen dieser Entscheidungsfähigkeit, ist die Durchlässigkeit für die eigenen Körperempfindungen. D.h., sich dem zu öffnen, wo dereinst die Kindheitsentwicklung dazu geführt hat, Gefühle und die diesbzgl. angemessenen, natürlichen Reaktionsweisen zu vermeiden. Im Zulassen und Ausdrücken aller möglichen emotionalen Regungen, seien es die schwierigen, aber auch die freudvollen -jetzt in einem wohlgesonnenen Beziehungsfeld- kann im günstigen Fall das (wieder) weit werden, was in den konditionierten Mustern und Haltungen als die gewohnte Enge (angustia lat., die Enge) vertraut geworden ist. Vollständigkeit ist da möglich, wo nichts ausgeschlossen wird.
Jonny Stadler
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